Aufräumen macht Freude

 

Mich hatte die Aufräumwut gepackt. Es begann ganz normal. Im Haus hatte es angefangen, aber dann ist mir die besagte „Wut“ ebenso plötzlich wie sie gekommen war doch wieder abhanden gekommen, weil der Computer rief. Leider noch bevor die Familie viel von meinem Wutausbruch mitbekommen hatte, deshalb blieb das häusliche Lob aus – vorerst mal. Aber der Gedanke bzw. das Gefühl der Aufräumwütigkeit war noch da und schon sah ich den Inhalt meines Computers mit ganz anderen Augen an. Er hatte eine gründliche Neusortierung dringend nötig!

Also erarbeitete ich mir ein Konzept, das macht man anscheinend so und dann ging es los. Ich schaufelte Dateien von hier nach da, legte neue Ordner an, kümmerte mich auch um die Bibliotheken, löschte Vieles. Im Keller meines Computers entdeckte ich unter anderem eine Geschichte, die ich mir wohl vor längerer Zeit mal abgespeichert hatte, weil sie mir gefiel. Ich las sie wieder und sie gefiel mir noch immer oder wieder, je nachdem.

Weiter wedelte ich mit meinem virtuellen Staublappen durch den Computer. Ich fühlte mich wie bei der Bescherung zu Weihnachten. Da gab es so Vieles das ich, überdeckt von anderen Dateien, plötzlich wieder fand. Erinnerungen. Erinnerungen an Menschen, an Orte, an Begebenheiten. Meine Aufräumwut war zu einer Fahrt in die Vergangenheit geworden. Ich machte nebenbei Notizen, wem ich mal wieder schreiben und mit wem telefonieren wollte. Es machte Freude, als ich mir die überraschten Gesichter vorstellte. Natürlich geriet das Ordnung-machen dadurch wieder etwas in den Hintergrund. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass Arbeit ja auch Spaß machen soll.

In dem Augenblick, als ich das Foto sah, hörte ich allerdings auf, weitere Bilder zu sortieren. Es ging nicht anders: Die Geschichte und mein Foto gehörten zusammen! Ich musste es teilen, mit anderen. Hatte das nicht schon Albert Schweizer gesagt: „Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt?“ Es stimmt, deshalb teile ich gerne die Geschichte von Anthony de Mello mit euch:

„Das Glück ist ein Schmetterling“, sagte der Meister.
„Jag ihm nach und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“
Der Schüler war neugierig: „Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?“
Des Meisters Antwort: „Hör auf, hinter ihm her zu jagen.“
„Aber es muss ja was geben, was ich tun kann?“
„Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst.“

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