Ein ganz besonderes Urlaubstier

Viele werden das kennen: Urlaub! Schon der Gedanke an Urlaub lässt mich schmachtend die Arbeit niedersinken und träumend meinen Blick in die Ferne schweifen. Ein tiefempfundener Seufzer verlässt – fast unbemerkt- meine Lippen und entführt mich rückdenkend an verschiedene Orte. Jedes Mal dachte ich, es sei der schönste Urlaub gewesen, aber der nächste hatte auch etwas Faszinierendes und der darauf folgende auch und der und der und der…. Alle waren schön, jeder Urlaub hatte etwas, manchmal auch etwas Besonderes.

Wir sind keine Urlauber, die sich wochenlang an einen Swimmingpool legen ; alles hat  seine Zeit, vielleicht kommt das eines Tages noch, wer weiß das schon. Wir gehen gerne auf Entdeckungsreise, machen Besichtigungen, lernen Land und Leute kennen und wandeln gern auf geschichtlichen Spuren. Immer gab es Großartiges, Staunenswertes, Einmaliges, Sonderbares, Lobenswertes und vor allem Anerkennungswürdiges. Nicht immer war es schön, aber immer erinnerungswürdig.

So wanderten wir vor sehr vielen Jahren durch Südtirol. Im „Goldenen Oktober“. Der Tag war allerdings nicht gerade einer von denen, die einem ein flottes Liedchen pfeifen und mit ganz freudigem Schwung die Beine voreinander setzen lässt, denn es war diesig und neblig, kühl und nicht wirklich einladend. Trotzdem marschierten wir los, die Kleidung dem Wetter entsprechend gewählt und den widerstrebenden inneren Schweinehund, der sich immer bei mir meldet, überwindend. Nach ein paar Stunden dachte auch ich nicht mehr an den etwas lustlosen Beginn unserer Wanderung, denn wir spazierten auf weichem Waldboden, nahmen den Duft der Erde auf, genossen den Anblick der Blätter, die sich um diese Jahreszeit bereits so wunderschön verfärbt hatten, dass wir meinten, die Sonne schickte ihre Strahlen durchs Blattwerk; aber es war „nur“ golden und bunt anzusehen. Jeder Schritt war ein Erlebnis.

Gegen Mittag kamen wir an eine Lichtung. Wie für uns gemacht, stand dort eine Bank mit einem Tisch, d.h., raue, unbearbeitete dicke Bohlen waren an Holzstämmen befestigt, die als Bank und Tisch dienten. Uns war es recht, denn ein kleiner Imbiss und etwas zu trinken, danach stand uns der Sinn. Es tat gut, die Beine ein wenig auszustrecken, anlehnen ging nicht, es gab keine Lehne. Aber das störte uns nicht. Jeder packte aus, was er sich in den Rucksack gepackt hatte. Als ich meine kleine Lunchbox auf den Tisch stellen wollte, störte mich ein kleiner Ast, ein kleines Ästchen, das wohl von einem der Bäume heruntergefallen war. Anstatt ihn mit einem kleinen Schubs mit der Box vom Tisch zu befördern, griff ich zu und erstarrte förmlich. In Erwartung eines relativ harten Stückes Holz, fühlte ich etwas Weiches, Lebendiges!

Ein "Urlaubstier"

Ein "Urlaubstier"

Sofort ließ ich wieder los und sah, wie sich das „Holz“ aufbäumte und dann einige langsame, aber merkwürdige Verrenkungen machte – noch immer sah es wie ein Holzstück aus. Noch nie hatten wir so ein Tier gesehen und bis heute auch nicht wieder.

Eigentlich ist es genau das, was uns so gefällt an diesen Wanderungen, die unvorhersehbaren Überraschungen. Ich muss aber ehrlich gestehen, dass mich dieses völlig unerwartete weiche Gefühl des „Holzes“ so verblüfft, nein, eher bestürzt , erschreckt hat, dass ich es bis heute nicht vergessen habe, denn ich schaue mir alles gerne an, aber ich berühre nicht alles. Ach übrigens: Kennt einer von euch eventuell so ein Tierchen?

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