Ein Traumurlaub mit Hindernissen

Zu einem unserer Urlaube kamen wir mit einer sehr weiten Anreise im Auto. Auf dem Dach wackelten die Fahrräder. Ich hatte darauf bestanden, unsere eigenen mit zu nehmen, da wir auf ihnen „eingesessen“ sind. Schließlich wollte ich diesen Urlaub nicht abbrechen müssen, weil ein geliehenes Fahrrad sich eventuell nicht an unseren Körperbau anpassen möchte. Aber 700 Kilometer mit Fahrrad auf dem Autodach hinter sich zu bringen, ist kein Vergnügen. So begann der Urlaub mit der Unzufriedenheit wegen der wackelnden Fahrräder auf dem Dach und der damit verbundenen Gefahr.

Der Ärger ging weiter, denn bei der Ankunft am späten Nachmittag in Fürstenwalde begann es zu nieseln. Toll. Die Nacht verbrachte ich mit fast unerträglichen Schmerzen im linken Arm, so dass für mich feststand, den Radurlaub durch den Spreewald nicht mitmachen zu können. Ich versank in Selbstmitleid.

Wir wollten zu Viert fahren. Die drei anderen machten lange Gesichter, wahrscheinlich glaubten sie nicht so richtig an meine Schmerzen. Sie überredeten mich, es mit Schmerzmitteln „wenigstens mal zu probieren“. Ich tat es. Mein schmerzender Arm schaffte es allerdings nicht, sich alleine auf den Fahrradlenker zu legen – das musste der rechte Arm erledigen. Das Aufsteigen wurde zur Tortur. Aber einmal im Tritt, lief es ganz gut. Der Himmel war grau, ich erwartete jeden Moment neuen Nieselregen und freute mich -innerlich wenigstens- darauf, weil es kein Vergnügen für mich war.

Ich hatte kein Glück. Je weiter wir fuhren, desto mehr verflüchtigten sich die dunklen Wolken. Wären die Schmerzen nicht, hätte es sehr schön sein können. Etliche Kilometer waren wir geradelt und –kaum zu glauben- die Sonne brannte vom Himmel! Im ersten Gewässer, an dem wir vorüber kamen, wollten sich alle abkühlen. Ich nicht, denn es hieß, wieder mit unsäglichen Schmerzen….. naja, ihr wisst schon. Dieselbe Prozedur eine halbe Stunde später beim Aufsteigen und Weiterfahren. Die anderen waren erfrischt, sie waren eine Runde geschwommen, während ich weitere Schmerztabletten zu mir nahm und gerade eben die Füße nass machen konnte. Dasselbe geschah noch zwei weitere Male.

Als wir am Nachmittag wieder an einem Gewässer ankamen, plantschten viele Kinder dort. Mit anderen Worten: Das war günstig für mich, ich brauchte nicht zu schwimmen. Deshalb ging auch ich hinein. Es war herrlich, unbeschreiblich, fantastisch. Den Arm hielt ich fest, da jede Erschütterung weh tat, aber die Erfrischung war köstlich! Sehr weit konnte ich ins Wasser gehen und stand immer noch auf dem Grund, als es bereits meine Schultern umspülte. Ich genoss jede Sekunde und blieb lange dort, da es meinem Arm gut tat. Er fühlte sich so an, als schmerzte er nur noch wenig. Ein großartiges Gefühl! Das anschließende Aufsteigen aufs Fahrrad verlief fast schmerzfrei und wenige Kilometer später fühlte ich gar keinen Schmerz mehr. Da begann der Urlaub.

Nach diesem erfrischenden Bad dauerte es nicht mehr lange und wir fanden eine nette Unterkunft. Wir hatten etwas über 60 Kilometer zurück gelegt und nun genossen wir den restlichen Nachmittag und Abend. Schmerzfrei!

Die anderen Tage verlief es ähnlich. Nach einem reichhaltigen Frühstück bestiegen wir unsere Fahrräder, hielten an, wann immer wir Lust hatten, suchten eine schöne Übernachtungsmöglichkeit und genossen die traumhafte, fast menschenleere Natur. Wir freuten uns an allem, was uns begegnete, lachten mit der Sonne, vergnügten uns in Seen und Flüssen, ließen uns von einem urplötzlich auftretenden Gewitter überraschen um deswegen in eine Pension zu kommen, die wir sonst nie entdeckt hätten, lernten unterwegs viele neue und vor allem nette Menschen kennen, radelten beeindruckt durch diese wohl einzigartige Landschaft, erlebten Störche in vorher nie gesehener Anzahl, versuchten, die uns unbekannte sorbisch/wendische Sprache zu übersetzen und landeten schließlich in Lehde, dem wohl bekanntesten Ort des Spreewaldes.

Hatte ich einmal Schmerzen? Sie waren vergessen bei all diesem Erleben! Dieser geradezu himmlischen Ruhe mit einer Natur, die noch Natur sein darf! Mit jedem Kilometer, den wir zurück zu unseren Fahrzeugen radelten, wurden wir zwar einerseits trauriger, weil die Zeit so schnell verging, aber dieser Urlaub hat sich in unsere Erinnerung als einer der schönsten gebrannt, er ist unvergesslich!

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