Stuttgarter Zeitung 30.08.2010

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Verkaufserfolg dank Twitter

Katharina Tomaszewski, veröffentlicht am 30.08.2010

Dietlinde Hachmann in ihrem Garten in Möglingen bei Ludwigsburg. Hier schreibt sie den zweiten Teil ihres Erfolgs Buches „Mein Wunscherbe“. Foto: Katharina Tomaszewski

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Internet Verkaufserfolg dank Twitter

Katharina Tomaszewski, vom 30.08.2010 15:04 Uhr
 Foto: Katharina Tomaszewski

Foto: Katharina Tomaszewski

Möglingen/Ludwigsburg – Gute Werbung ist teuer. Weil ihr Buchverlag kein Geld für Werbung hatte, musste sich Dietlinde Hachmann etwas einfallen lassen. Die 59-jährige Autorin bekam den Tipp, das Internet zu nutzen. Und das, obwohl sie vorher kaum Computer, geschweige denn Internet-Kenntnisse hatte. Sie erstellte eine eigene Homepage » und entdeckte die Internet Communitys für sich – der Kurznachrichtenservice Twitter » hat es ihr besonders angetan. Die Eigenwerbung entwickelte sich prächtig – und Hachmanns Buch war binnen weniger Wochen bei mehreren Buchgroßhändlern vergriffen. Zuerst probierte sie Xing », ein Netzwerk für Geschäftskontakte, aus. Das war ihr aber „zu berufsorientiert“, außerdem fand die Seite dort nur wenig Zuspruch bei Usern, die sie erreichen wollte. Danach folgte das soziale Netzwerk Facebook », „das war mir aber zu persönlich“, erzählt Hachmann.Ihre Agentur schlug daraufhin Twitter vor, womit die 59-Jährige zuerst gar nichts anfangen konnte. Eine wichtige Regel bei Twitter sei: Man dürfe nicht unpersönlich sein. Nachdem sie sich mit Fachliteratur eingedeckt hatte, wusste Hachmann, wie man twittert. Auf diese Weise wurde die Hobbyschriftstellerin innerhalb eines Jahres zur Twitter-Berühmtheit », mit über 3000 Followern, also Menschen welche die Statusmeldungen mitverfolgen.“Twitter ist jetzt so richtig mein Ding“, sagt Hachmann lachend. Die 140-Zeichen langen Meldungen und die Schnelligkeit der Antworten „seien wie ein kurzer Schlagabtausch“. Gespräche mit mehreren Usern zur selben Zeit sind möglich. Auf Twitter-Meldungen wie „Hallo! Schönen guten Morgen“ »bekommt sie rasch eine „direct message“ (persönliche Antwort) oder „mentions“ (für jeden lesbarer Kommentar auf Twitter).

Wachsende Internet-Fangemeinde

So schuf sich Dietlinde Hachmann, alias @autorinhachmann », innerhalb eines Jahres eine Fangemeinde von der Größe einer kleinen Ortschaft. Viele Fans lernte sie persönlich kennen, woraus sich schon richtige Freundschaften entwickelten. „Mit einigen Leuten telefoniere ich und wir besuchen uns gegenseitig“.

Fünf Jahre schrieb sie das Buch „Mein Wunscherbe“, in dem Hachmann die Lebensgeschichte ihrer Mutter Lieselotte erzählt, die vor dem zweiten Weltkrieg ihre große Liebe kennenlernte, einen indischen Studenten. Doch als der Krieg ausbrach, mussten sie sich trennen. Seit diesem Erlebnis pflegte Lieselotte enge Verbindungen nach Indien und gründete 1954 die Deutsch-Indische Gesellschaft in Hamburg. Hachmann erbte nachdem ihre Mutter verstarb ein Packet voll Briefe und Fotoalben, mit deren Hilfe sie die Lebensgeschichte aufschrieb.

„Ich habe mich, bevor das Buch fertig war, bei Twitter angemeldet, um vorab meinen Namen und mein Gesicht publik zu machen“. Als im Juni dann ihr Buch erschien, wuchs die Zahl ihrer Anhänger und einige Leser gründeten sogar Diskussionsforen. Die Twitter Werbung entwickelte sich zum Selbstläufer. Unter den Twitter »Top5 der populärsten Leute ist sie öfters dabei.

Die Eigenwerbung der vierfache Mutter ist so erfolgreich, dass „Mein Wunscherbe“ schon mehrere Male hintereinander bei Amazon und auch bei den Buchgroßhändlern KNV und Libri ausverkauft war. Die zweite Auflage ist bereits in Arbeit. Hachmanns Buch wurde auf die Leserabstimmung Hotlist2010 » aufgenommen. Im Herbst möchte sie den zweiten Teil ihrer Liebes-Reise-Dokumentation herausbringen. Dietlinde Hachmann reiste 2008 selbst nach Indien auf den Spuren ihrer Mutter. Diese Eindrücke kommen im zweiten Teil der Geschichte hinzu.

Lesung auf der Stuttgarter Buchwoche

Hachmann macht im Rahmen der Stuttgarter Buchwoche am 4. Dezember im Lesecafe, im Haus der Wirtschaft, eine bebilderte Lese-Erzählung. Dabei liest sie mehrere Passagen aus dem ganzen Buch vor und zeigt dazu passende Bilder, damit der Zuhörer einen Eindruck von der Geschichte bekommt. „Die Fotos der Indienreise meiner Mutter von damals und meine eigenen Bilder machen die Geschichte lebendig“.

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